Wo die Arbeit fließt

So umstritten wie alternativlos: Wie gute Großraumbüros aussehen

In Einzelboxen wollen wir nicht mehr sitzen, gleichzeitig wünschen wir uns aber ein gewisses Maß an Privatheit, denn zu viel Lärm und Ablenkung stört die Konzentration. Wäre es also vielleicht besser, einfach von zu Hause aus zu arbeiten? Die Digitalisierung erlaubt es uns schließlich, von überall auf Daten zuzugreifen. Aber nein, denn dem Büro kommt damit eine neue wichtige Rolle zu: Es ist der Ort, an dem wir Kollegen treffen und uns austauschen, an dem gemeinsam Ideen entstehen können. Doch wie funktioniert dieses Zusammenarbeiten am besten?

Im Trend liegt aktuell – und mal wieder – das Großraumbüro. Angepriesen als verheißungsvolles Open Space-Konzept, soll es, sind Wände und damit Barrieren erst beseitigt, die Kommunikation unter den Mitarbeitern fördern. Weg mit den Einzelzimmern also und her mit der austausch- und kreativitätsfördernden Freiheit. Manche Konzepte verzichteten dabei auch noch auf feste Arbeitsplätze, so soll Routine vermieden werden. Klingt eigentlich gut, doch ganz so einfach ist es nicht.

Die Frage nach der optimalen und wirtschaftlichen Arbeitsplatzgestaltung beschäftigt Planer, seit der Großteil der Erwerbstätigen am Schreibtisch sitzt. Das Open Space-Konzept ist daher keine junge Erfindung. Seit Beginn des 20. Jahrhunderts, als man legebatterieartig Tische und Schreibmaschinen in Hallen stellte, gibt es diese Form. Das 1939 von Frank Lloyd Wright konzipierte Johnson Wax Headquarter in Racine, Wisconsin beispielsweise mag im Vergleich dazu beinahe schon luxuriös großzügig erscheinen.

Spätestens als Designer Robert Probst Ende der 1960er Jahre für Herman Miller das Action Office – die ersten konfigurierbaren Systembüromöbel – entwarf, war der Weg für das Großraumbüro, wie wir es heute kennen, geebnet. Paradoxerweise führte das Action Office später übrigens zur Entwicklung des Cubicles, der genau das Gegenteil von dem bewirkte, was Probst einst vorschwebte: Er wollte eine offene Bürolandschaft schaffen, die zugleich Rückzugsmöglichkeiten bietet und sich flexibel den Bedürfnissen des Einzelnen anpasst.

Schon Probst hatte damals nämlich analysiert, dass ein Mangel an Privatsphäre die Kommunikation einschränkt. Zur gleichen und eigentlich wenig überraschenden Erkenntnis kamen kürzlich auch die beiden amerikanischen Wissenschaftler Stephen Turban und Ethan Bernstein in ihrer Studie „Der Einfluss des 'offenen' Arbeitsplatzes auf die menschliche Zusammenarbeit". Dafür hatten sie in zwei großen US-Unternehmen den Wechsel zum Großraumbüro beobachtet und kamen zum Ergebnis: 70 Prozent weniger Gespräche, dafür 20–50 Prozent mehr elektronische Nachrichten. Räumliche Nähe verbessere die Kommunikation nicht, folgerten Turban und Bernstein. Vielmehr löse das Großraumbüro einen Art Abwehrreflex unter den Mitarbeitern aus, der bewirkt, dass sie sich zurückziehen.

Was läuft da schief? Der Fehler liegt mitunter in der Motivation, auf Großraumflächen umzustellen, um Platz und damit Geld zu sparen. Ziel sollte es aber nicht sein, möglichst viele Mitarbeiter auf wenig Fläche unterzubringen. Den Angestellten ein fertiges Einheitsmodell vorzusetzen, ist auch keine gute Idee. Vorurteile und eine Antihaltung sind damit oft schon vorprogrammiert. Manchmal sind aber auch die Chefetagen das Problem, die sich nicht vom Privileg des Einzelzimmers verabschieden wollen. Schließlich wohnt dem Konzept Großraumbüro eine antihierarchische Unternehmensführung inne. 

Wer es sich als Arbeitgeber leisten kann, tut laut Büroplanern daher gut daran, seinen Mitarbeitern eine Auswahl an unterschiedlichen Arbeitsmöglichkeiten zu bieten, zwischen denen ja nach Bedarf gewechselt werden kann. Dabei sollte es nicht um eine Verdichtung, sondern Neuorganisation gleichgroßer Flächen gehen und den Mitarbeitern mehr Möglichkeit zur Selbstbestimmung gegeben werden.

Eines der momentan wohl bekanntesten Beispiele für ein Großraumbüro nach modernen Standards ist die neue Apple-Zentrale im Silicon Valley von Foster + Partners. Das ringförmige Gebäude besteht aus acht sich wiederholenden Segmenten und bietet 12.000 Angestellten Platz. Die Teams konnten sich ihren Arbeitsplatz aus einer vorgegebenen Auswahl selbst konfigurieren und teils zwischen offenen und geschlossenen Räumen wählen. Eine dritte Raumkategorie für informellere Treffen bilden der umlaufende Korridor und die großzügigen Treppenaufgänge. Zuvor waren die Mitarbeiter auf 100 einzelne Gebäude verteilt. Bleibt abzuwarten, wie sie das neue Büro annehmen und ob die Zusammenarbeit der unterschiedlichen Teams im „The Ring“ nun fließender funktioniert.

In Deutschland wird überwiegend noch ganz „normal“ in Einzel- oder Gruppenbüros gearbeitet. Großraumbüros machen bisher einen verhältnismäßig geringen Anteil aus. Noch, denn große Unternehmen liebäugeln vermehrt mit dem offenen Konzept. Ob dies nun besser oder schlechter ist, lässt sich nicht pauschal sagen. Planer und Forscher haben in jedem Fall weiterhin viel zu tun, wenn es darum geht, eine Lösung für den perfekten Arbeitsplatz zu finden.

(Text: Katharina Sommer)

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